#WissenschaftlicherBeirat: Citizen Science

#WissenschaftlicherBeirat: Citizen Science

Am 15.12. fand das dritte Treffen des wissenschaftlichen Beirats von efoto Hamburg statt. Unser Thema dieses Mal: Citizen Science - zu Deutsch: Bürgerwissenschaften.

Darunter versteht man wissenschaftliche Projekte, die unter Mitwirkung von Bürgern umgesetzt werden. Die Formen der Beteiligung reichen dabei vom kollektiven Erfassen von Messdaten bis zum Einbringen eigener Forschungsfragen. In Deutschland wurden bereits zahlreiche solcher Projekte, z. B. im Umweltschutz, realisiert. Mehr dazu erfahrt ihr auf der Plattform http://www.buergerschaffenwissen.de/.

In der aktiven Beteiligung von Bürgern besteht ein Anknüpfungspunkt zu efoto Hamburg. Begründet ist dies vor allem im Kulturverständnis, das efoto zugrunde liegt (#Zettel Nr.4: Ein Blick zurück nach vorn – Kulturerfahrung 2.0?). Austausch und Beteiligung spielen demnach eine zentrale Rolle für das Entstehen von Kultur. Um dieses Verständnis in die Praxis zu übertragen, implementieren wir in der efoto-App daher auch interaktive Features wie Kommentare und das Zeitzeugeninterview (#AppFeature: Zeitzeugeninterview).
Aber auch durch die Partnerschaft mit den Geschichtswerkstätten gibt es eine Schnittstelle. Das Stadtteilarchiv Ottensen, das St. Pauli-Archiv und die Geschichtswerkstätten Wilhelmsburg und Gängeviertel betreiben schließlich bereits Citizen Science.
Wie kann die Bürgerbeteiligung in efoto Hamburg noch weiter in Richtung Bürgerwissenschaft weitergedacht und -entwickelt werden?

Zum Einstieg in das Thema stellte Dr. Jesper Zedlitz von der Uni Kiel das Projekt DES (DatenErfassungsSystem) vor. Im Rahmen dieses Vorhabens erfasst der Verein für  Coputergenealogie historische Quellen für die Familienforschung. Durch die Mithilfe von über 700 Freiwilligen konnten so z. B. die Verlustlisten aus dem 1. Weltkrieg erfasst werden, eine Quelle die sich durch ihre Schriftart und den Erhaltungszustand nicht automatisch digitalisieren lies.
In seinem Vortrag thematisierte Dr. Zedlitz unter anderem auch Fragen der Nutzermotivation im Zeitverlauf und Datenqualität. Dabei stellte er die besondere Bedeutung der individuell zu erfassenden Datenmenge und eines gelungenen Interface heraus.

In einem zweiten Vortrag präsentierte Prof. Jan Christoph Meister das Projekt “Venice Time Machine” in dessen Rahmen auch eine Software zum schnellen, automatischen Bildabgleich entwickelt wurde. Mit dieser kann einen Bestand historischer Kunstwerke durchsucht werden. 
Der lernfähie Algorithmus ermöglicht natürlich eine klassische Volltextsuche. Darüber hinaus ist es aber auch möglich, Bilder nach Ähnlichkeit zu einem vorgegebenen Bild zu finden oder über Negativlisten festzulegen, wie gesuchte Bilder nicht aussehen sollen.
Zudem kann die Suchmaschine auch alle Bilder nach einem bestimmten Detail eines Bildes durchsuchen. So lassen sich z. B. alle Bilder finden die in einem Panorama eine Personengruppe beinhalten. Prof. Meister regte an, die Möglichkeit einer Kombination aus manueller Erfassung und automatischem Bildabgleich, in die Betrachtung mit einzubeziehen. So könnte ein Bildabgleich Daten für Bürgerwissenschaftler liefern oder Ihnen als Recherchewerkzeug dienen.

In der gemeinsamen Diskussion entstanden nachfolgend einige interessante Ideen für Citizen Science im Rahmen unseres Projektes. Eine Herausforderung bei efoto ist zum Beispiel, das in in einigen Fotobeständen die Metadaten und / oder die Verortung unvollständig sind.

Durch ein Citizen Science-Projekt könnten Bürger also z. B. zur Erschließung der Bestände beitragen in dem sie fehlende Stichwörter ergänzen (Social Tagging).
Aber auch für fehlende Ortsangaben ließe sich eine Lösung unter Beteiligung der efoto-Nutzer realisieren. Dabei könnten von Nutzern hochgeladene, aktuelle Fotos mit Ortsangabe dazu genutzt werden, um die Verortung historischer Fotos zu präzisieren. Ein automatischer Bildabgleich könnte die Bürgerwissenschaftler dabei unterstützen, historische Fotos zu finden, die ihrem aktuellen Standort bzw. ihrer aktuellen Ansicht entsprechen. Die historischen Fotos könnten dann, bei Übereinstimmung, mit dem aktuellen Standort verknüpft werden.
In den nächsten Monaten werden wir unsere Ideen konkretisieren und euch darüber auf dem Laufenden halten!

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