#Zettel Nr.4: Ein Blick zurück nach vorn – Kulturerfahrung 2.0?

#Zettel Nr.4: Ein Blick zurück nach vorn – Kulturerfahrung 2.0?

In den letzten Wochen haben wir euch mit unserem Zettelkasten Luhmanns Kulturtheorie etwas näher gebracht. Abschließend wollen wir Luhmanns Kulturverständnis in Bezug zum efoto-Projekt setzen und gehen dabei von einer doppelten Fragestellung aus:

  • Inwiefern kann Luhmanns theoretisches Modell einen Ausgangspunkt für das Projekt efoto bilden?

  • Welche theoretischen Erkenntnisse können wir aus der praktischen Anwendung des Luhmann’schen Kulturverständnisses ziehen?

Für efoto bildet Luhmanns Kulturkonzept den Ausgangs- und Referenzpunkt der praktischen Umsetzung. In dieser Funktion befördert es, was durch die Digitalisierung unseres Lebens- und Kulturraums scheinbar in den Hintergrund gedrängt wird: die Wahrnehmung und aktive Gestaltung von Kultur und Kulturerfahrung. Denn Luhmanns kulturtheoretischer Ansatz bietet nicht nur einen Anschluss für die Frage, wie Kultur funktioniert und was sie ausmacht, sondern zeigt uns Möglichkeiten der kulturellen Handlungsfähigkeit auf.
Und genau diese sollen im efoto-Projekt durch den Austausch über den urbanen Lebensraum und seine Geschichte aktiv gefördert werden. In der Luhmann’schen Kulturtheorie knüpft efoto damit an die Begriffe ‘Massenmedium’ und ‘Kultur’ an: Einerseits beitet efoto, als Bestandteil des Ensembles der Massenmedien, Anschauungen und Deutungsmuster an. Andererseits schafft das Projekt Raum für Teilhabe, Kommunikation und Reflexion - also Kultur.

Im Projekt efoto geht es aber nicht nur darum, ein theoretisches Konzept in der Praxis anzuwenden. Mit der Umsetzung lernen wir etwas über die Art und Weise, wie sich theoretische Modelle auf die Wirklichkeit abbilden lassen; wir gewinnen neue theoretische Erkenntnisse. efoto erlaubt uns zu prüfen, ob Luhmanns Kulturverständnis aktuell ist, ob es sich eignet, um Kulturerfahrung zu gestalten. Letzlich geht es um die Frage, inwiefern sich in Folge der Digitalisierung nicht nur kulturelle Praxis, sondern auch unsere theoretischen Ansätze über Kultur wandeln müssen.

Über den praktischen Fortschritt des Projektes und die theoretischen Erkenntnisse, die wir in seinem Verlauf gewinnen, werden wir euch natürlich im efoto-Blog auf dem Laufenden halten.

Das war der letzte Teil der Luhmann-Reihe. Wir hoffen, wir konnten Euch einen kleinen Einblick in Luhmanns theoretisches Schaffen geben.

Bis bald!
Euer efoto-Team

Niklas Luhmann
- Kommunikation mit Zettelkästen. Ein Erfahrungsbericht. In: Öffentliche Meinung und sozialer Wandel. Hrsg. v. Horst Baier u. Hans Matthias Kepplinger. Wiesbaden 1981. S. 222-228.

Illustration: Oliver Tacke [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons