#Zettel Nr.3: Realität & Massenmedien – Über das Verhältnis von Kultur und Kommunikation

#Zettel Nr.3: Realität & Massenmedien – Über das Verhältnis von Kultur und Kommunikation

Luhmann versteht unter Kultur eine Beobachtung zweiter Ordnung - eine Beobachtung der Beobachtung; so kann man unseren letzten #Zettel zusammenfassen.

Wo aber wird eine so verstandene Kultur für uns greifbar oder sichtbar? Entscheidend dafür sind nach Luhmann die Begriffe ‚Kommunikation’ und ‚Massenmedium’.

Unter Kommunikation versteht Luhmann eine Operation, die gegenseitiges Verstehen ermöglicht. Da wir Menschen nicht in der Lage sind Gedanken direkt zu übertragen, erfordert Kommunikation stets ein Medium. Das Medium der Sprache z. B. erlaubt uns einen verbalen Austausch miteinander. Massenmedien wie Zeitung, Fernsehen oder Internet ermöglichen es, dass Mitteilungen viele Adressaten gleichzeitig erreichen.

Zugleich prägen Massenmedien aber auch die Art von Mitteilungen die uns erreichen. Durch Tagesnachrichten, Werbung oder durch Bilder in den sozialen Netzwerken wird uns täglich ein spezifisches Bild der Realität präsentiert. Diese ‘Deutungsmuster’ bestimmen die Art und Weise wie wir unsere Umwelt wahrnehmen. Luhmann nimmt daher an, dass „[a]lles, was wir über die Welt wissen, [...] wir durch die Massenmedien wissen.“

Aufgabe der Kultur ist es nach Luhmann aufzudecken, dass die von den Massenmedien produzierte Realität auf ausgewählten Beobachtungen erster Ordnung beruht. Sie richtet ihre Aufmerksamkeit nicht nur auf die Vielzahl unterrepräsentierter Beobachtungen, sondern auch direkt auf die dominanten Beobachtungsstile selbst. Kultur legt so den Konstruktcharakter unserer Realität offen.

Luhmann verdeutlicht damit, dass wir die Welt in der wir leben, eben unsere alltägliche Wirklichkeit, immer als kulturell konstruiert betrachten müssen. Dabei kann uns Kultur helfen, indem sie uns zu einer kritischen Wahrnehmung unserer Realität antreibt.

Zum Weiterlesen für Euch nun noch einige Tipps.

Niklas Luhmann
-Die Realität der Massenmedien. 4. Aufl. Wiesbaden: VS Verlag 2009. S. 106f.

Forschung
- Armin Nassehi: Die Paradoxie der Sichtbarkeit und die ‚Kultur’ der Kulturwissenschaften. In: Ders. Geschlossenheit und Offenheit. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2003. S. 231-257.

Foto: Werbung für einen Radioempfänger, Radio World magazine, 1922 (commons.wikimedia.org)