#Digitization 5: Keynotebericht über Digitale Kuration

#Digitization 5: Keynotebericht über Digitale Kuration

Die letzte Keynote der #Digitization Konferenz war thematisch am nächsten am eFoto Projekt. Costis Dallas präsentierte darin einige Erkenntnisse zur digitalen Kuration und räumte so ganz en Passant mit einigen Mythen über das Crowdsourcing auf. Das Internet, so betonte er, sei dabei sich von einer Contentverbreitungsmaschine weg und hin zu einer Informationssystematisierungscommunity zu entwickeln. Es reiche heute nicht mehr, Inhalte auf den digitalen Markt zu werfen, diese Inhalte müssen auch thematisch zugeordnet werden. Diese Kuration kann automatisch, halbautomatisch und mit Hilfe der “Crowd” ablaufen.

Jeder, so lautet eine vielzitierte These von Andy Warhol, werde zukünftig seine 15 Minuten Berühmtheit haben. Das Internet schien dieser Utopie einen Raum zu geben. Ob es allerdings jemals mehr als ein Mythos war, dass ein jeder sich hier einfach nur präsentieren musste, um von Millionen Nutzern wahrgenommen zu werden, sei hier einmal dahin gestellt. Fest steht, dass inzwischen der virtuelle Raum weit voller gepackt ist als die Tasche von Mary Poppins und es bedarf schon einigen Fingerspitzengefühls, hier genau die Information zu finden, die man sucht.

Jeder Webseitenbetreieber und jeder Blogger kann sein eigenes Lied davon singen. Denn es reicht längst nicht mehr, einfach nur Inhalte zu produzieren. Das Design muss stimmen und der aktuellen Mode entsprechen. Formulierungen müssen korrekt und möglichst ansprechend und allgemein verständlich sein. Schließlich bedarf es auch noch eines informativen Mehrwerts für die potentiellen Leser. Einfach nur ein Internettagebuch zu führen, wird heute niemanden mehr hinter dem Ofen hervorlocken. Bleibt der erwünschte Erfolg aus und die 15 Minuten stellen sich partout nicht ein, so verliert manch einer also schnell wieder die Lust and der Contentproduktion.

So setzt noch vor jeglichem Ansatz von Kuration eine Art von Mindestqualitätskontrolle ein, die - das kann man nicht bestreiten - von den Algorithmen großer Suchmaschinen unterstützt wird. Den das hier stattfindende Ranking bezieht Kriterien wie z.B. die Beständigkeit einer Webseite mit ein und bewertet Seiten, die länger als ein Jahr bestehen postiver als solche, die ganz neu sind.

Doch auch guter Content wird noch besser durch thematische Relevanz. Hier setzt nun der von Dallas beschriebene Shift zur Kuration ein. Habe ich z.B. als Blogger einen Artikel geschrieben, so werde ich von meinem Content Management System aufgefordert, diesen auch noch in Kategorien einzusortieren und mit Schlagworten zu versehen. Dies ist nun bereits der erste Ansatz zur Kuration, denn hiermit sortiere ich meine Inhalte zu anderen ihrer Art dazu. Diese Zuordnung wird dann wieder relevant, wenn Nutzer nach ähnlichen Inhalten suchen und Suchmaschinen automatisch die Metadaten meines Textes zu denen eines anderen sortiert. Dem Nutzer wird automatisch kuratiertes Material angezeigt. Hier haben wir es also mit einer semiautomatischen Kuration zu tun, da die Schlagworte immernoch von Menschen und nicht von Maschinen erstellt werden. Doch auch Texte, die nicht mit solchen versehen sind, werden auf ähnliche Weise sortiert. Diese werden von sogenannten Crawlern nach relevanten Begriffen durchsucht und so automatisch kuratiert. Beide dieser Möglichkeiten hängen stark von der Entwicklung der Suchmaschinentechnologie ab.

Darüber hinaus gibt es aber immer wieder Menschen oder Gruppen von Menschen, die selbst Texte, die für bestimmte Interessengruppen relevant sind, aus dem Internet kuratieren. Sie stellen dann eine Linksammlung zusammen und machen diese auf eigenen Seiten oder in Foren zugänglich. Wer glaubt, dass solche anonymen Kuratoren als Teil einer undurchschaubaren Crowd, weniger kompetent sein müssen als proffesionelle Kuratoren, der denkt hier leider nicht weit genug. Häufig sind es nämlich gerade diese Profis, die das Bedürfnis haben relevante von irrelevanten Inhalten zu trennen. Es ist darum auch nicht ganz korrekt, hier von Croudsourcing zu sprechen, denn vielmehr sind es wohl zahlreiche kleine Communities, die sich ganz klar einem Interesse zuordnen, die als Kuratorengruppen tätig werden.

Für eFoto war diese Keynote mehr als erhellend. Sie hat viele Ideen bestätigt und uns darin bestärkt, besonderes Augenmerk auf das Community Sourcing und die Mechanismen der digitalen Kuration - automatisch, semi-automatisch oder manuell - zu werfen. Und so sind viele der hier kurz beschriebenen Gedanken in das eFoto Konzept eingeflossen.   

Dies ist Artikel 5 in einer Serie zur #Digitization Konferenz in Hamburg. Hier geht es zu Teil 1 und 2, 3 und 4.