#Digitization Teil 2: Workshopbericht zum Thema “Wie und was erzählen mit Geodaten?”

#Digitization Teil 2: Workshopbericht zum Thema “Wie und was erzählen mit Geodaten?”

In den zahlreichen Workshops, die im Zentrum der #Digitization-Konferenz standen wurde viel über die neuen Möglichkeiten, die Veränderung von Kulturtechniken und die Frage, inwiefern kulturelle Konzepte sich wandeln, wenn neue Gewohnheiten herausgebildet werden, diskutiert. Im ersten Workshop den ich besucht habe, ging es um das argumentative Potential von Karten. Es wurde die Frage gestellt, inwiefern vor allem interaktive digitale Karten vorgeben, realistisch zu sein, tatsächlich aber nur bestimmte Standpunkte stützen. Die scheinbar unendlichen Möglichkeiten der digitalen Darstellung verführen ja nicht selten dazu, dass man meint, alles, was unter dem Stichwort “Big Data” zusammengefasst wird, würde auch transparent und offen gemacht.

Doch obwohl diese Frage angeregt diskutiert wurde, landeten wir doch sehr schnell bei einem ganz anderen Thema. “Wie verändert eigentlich die ständige Verfügbarkeit digitaler Karten unsere Wahrnehmung vom Raum?”, haben wir uns gefragt. Ist es nicht ein großer Unterschied, ob man mit einer unhandlichen Papierkarte kämpft oder sich mittels einer mehr oder weniger augmented Reality anzeigen lässt, wo man sich genau befindet und in welche Richtung man sich bewegt? Und wie immer kommt man durch solche Fragen auch auf das eigene Erleben zurück. Bei mir selbst stelle ich z.B. fest, dass diese Art der Digitalisierung mir vor Allem den Alltag erleichtert. Kein Kampf mehr mit entweder zu großen Stadtplänen oder Falk Patentfaltung, kein Zuspätkommen mehr, weil man sich auf dem Weg zum nächsten Geschäftstermin verlaufen hat - das sind die Situationen, in denen man kleine mobile Endgeräte in der Tasche in den Himmel loben möchte. Doch was wäre ein Urlaub ohne Karten aus Papier? Wenn keine Termine einen unter Druck setzen, ist es doch manchmal gar zu herrlich, sich langsam und umständlich und unter ständigem Drehen der Karte zu orientieren. Und welche Wege hat man nicht schon alle entdeckt, weil man irgendwo falsch abgebogen ist oder eine neue Straße noch nicht auf der Karte verzeichnet war.   

Eine der wichtigsten Fragen für mich persönlich war natürlich die, wie eFoto an solche Überlegungen anknüpfen kann. Auch wir haben ja schon viel über Georeferenzierung und Kartenvisualisierungen nachgedacht. Jedes Bild soll auch mit Orten verknüpft werden und vor allem die mobile App soll anzeigen, wo sich ein Nutzer gerade befindet und welche Bilddaten mit diesem oder nahe gelegegen Orten verknüpft sind. Damit möchten wir uns vor allem an Hamburger in ihrem Alltag richten, doch auch für Besucher der Stadt soll die Karte zugänglich und nützlich sein. Natürlich kommt es für ein Projekt wie das unsere nicht in Frage, wieder analoge Karten zu produzieren. Und gerade darum frage ich mich, was das Kernerlebnis des Umorientierens, des Verlaufens ist und wie man es auf eine App übertragen könnte. Schon lange verfolgen wir ja die Idee, konkrete Rundgänge auszuarbeiten. Wenn man diese auf unterschiedlichen Ebenen in der Karte platziert, so könnte der Nutzer sich getrost verlaufen oder in einen anderen Rundgang wechseln. Auch wäre denkbar, dass hier und dort ein paar thematisch nicht ganz passende Bilder angezeigt würden, die mit Orten verknüpft sind, die nur ein wenig abseits der vorgegebenen Karte liegen. Vielleicht könnte man sich so etwas von dem explorativen Charakter des Fährtenfindens im Urlaub bewahren.

Du hast Fragen oder Anregungen zum eFoto Projekt? Dann kontaktiere mich gerne über mareike.hoeckendorff@uni-hamburg.de oder schicke mir einen Tweet über @efotohamburg.

Dies war Teil 2 einer Artikelserie zur #Digitization Konferenz 2014 in Hamburg. In Teil 3 geht es nächste Woche Freitag um einen Workshop zum Thema “Jede Kopie ein Original?”. Zu Teil 1 gelangst du hier.