#Digitization Teil 1: eFoto-Hamburg präsentiert sich erstmals im Rahmen einer Konferenz

#Digitization Teil 1: eFoto-Hamburg präsentiert sich erstmals im Rahmen einer Konferenz

Obwohl sie nun schon etwas zurückliegt, hallt die #Digitization Konferenz vom 12.-14- Juni 2014 bei eFoto-Hamburg noch nach. Zwei ½ Tage lang wurde das Thema Digitalisierung im Alltag bearbeitet, diskutiert und analysiert. Auch eFoto-Hamburg durfte eine Projektpräsentation zeigen, die - obwohl sie Work in Progress beschreibt - einige interessante Kommentare aus dem Plenum hervorgerufen hat. Einen besonders langen Nachhall aber haben für mich die Vorlesungen zum Thema Identität und Selfie von Nishant Shaw und über digitale Kuration von Costis Dallas. Da sich allerdings herausgestellt hat, dass es mir unmöglich ist, alle meine Gedanken zur #Digitization in einem Blogpost zusammenzufassen, ist dies der Beginn einer kleinen Artikelserie. Den Anfang macht heute ein Resümee zur eFoto Projektpräsentation, die nächsten zwei Wochen wird es dann um die Workshops gehen, an denen ich teilgenommen habe und schließlich verrate ich euch, warum mich die bereits erwähnten Keynotes so beeindruckt haben.

eFoto - Big Data für Bürger wieder zugänglich machen

Es war die erste Präsentation des eFoto Projektes auf einer Veranstaltung, die nicht nur von Projektpartnern und Beiratsmitgliedern besucht wurde. Entsprechend aufregend war es dann auch, einen Einblick in das Projekt zu geben, das derzeit vor allem aus Ideen und theoretischen Konzepten besteht. Schon im Vorfeld habe ich mir viele Gedanken gemacht, wie man etwas veranschaulichen kann, das im Grunde noch nicht da ist. Schließlich habe ich mich dazu entschieden, möglichst viel von dem mitzubringen, was normalerweise an der Schnittstelle zwischen Menschen und Maschinen steht - Interfaces, die Funktionalitäten kommunizieren. Natürlich hatte alles noch hypothetischen Charakter. Anhand der potentiellen Gestaltung der zukünftigen eFoto Applikationen habe ich also kurz skizziert, welche technischen, rechtlichen und funktionalen Rahmenbedingungen in der Konzeption erarbeitet wurden. Für alle Aspekte hatte ich mir zum Oberthema gemacht, dass mit eFoto große Datenmengen an die Bürger der Stadt Hamburg zurückgegeben werden sollen.

eFoto-Hamburg - Qestions & Answers

Zu meiner großen Freude rief die Projektpräsentation eine rege Diskussion hervor. Wie erwartet, ging es darin zunächst um rechtliche Aspekte. “Wie kann man die Freiheit von Daten gewährleisten, wenn so viele Aspekte berücksichtigt werden müssen, wie im Falle von Bildern?” war eine der ersten Fragen aus dem Publikum. Schließlich sei sogar Google Streetview eingeknickt, da manch einer sich durch Veröffentlichung “seiner” Fassade in der Privatsphäre gestört fühlte. Nun die Antwort ist wohl viel simpler als die hitzigen Diskussionen zu diesem Thema vermuten lassen: Auf Basis der Gesetze. Bilder, die gesetzlich frei sind, müssen dies bleiben und alles, was gesetzlich geschützt ist, wird auch von eFoto geschützt. Zumindest wird das unser Bemühen sein.

Seitens des Keynote Speakers Costis Dallas wurde die in meinen Augen inhaltlich sehr weit reichende Frage gestellt, wie wir eine Brücke zwischen den Standards des Archivwesens und der Vielfältigkeit von User Generated Content schlagen wollen. Nun, dies ist ein Thema, über das es sich lange nachzudenken lohnt. Natürlich wird eFoto sich an den bewährten Traditionen aus Museums- und Archivwissenschaft orientieren. Der Nutzer wird aus einschlägigen Metadatenkatalogen vorgegebene Schlagwörter wählen können und wir werden auf technischer Seite eine anerkannte xml Formatierung wählen, um Bilder mit Beschreibungen zu ergänzen. Der private Nutzer merkt davon kaum etwas, Museen und Archive aber können die Daten auf diese Weise unkompliziert in ihre eigenen Systeme (re-)importieren.

Aber das sind vielleicht eher technische Details, die am Kern der Frage vorbeigehen. Die bessere Antwort ist also, dass wir sowohl vorgegebene Schlagwörter als auch freie Kommentare, Geschichten und Beschreibungen zulassen werden, ohne einen Unterschied zwischen ihnen und von anerkannten Metadatenkatalogen vorgegebenen Kategorien zu machen. Für uns als Konzepersteller ist wichtig, dass eine Gleichberechtigung herrscht, damit die Bilder auch für private Nutzer spannend bleiben, weil sie Geschichten erzählen. Außerdem sollen die Metadaten nicht nur für praktische Archiv- und Museumsarbeit, sondern auch ganz allegemein für wissenschaftliche Forschung interessant bleiben. Denn nur, wenn vielfältige Anmerkungen zu einem Bild gemacht werden, kann ein Diskurs darüber entstehen und nur im Diskurs entsteht kultureller Wert. Und so wies auch das Plenum (das natürlich in diesem universitären Rahmen hauptsächlich aus Forschern bestand) ausdrücklich darauf hin, dass eine gewisse Freiheit offen bleiben muss, damit die Bilder auch zum Nachdenken anregen und nicht bloß immer wieder in den traditionellen Kategorien standardisierter Verschlagwortung gedacht werden.

Als die Zeit für Fragen und Anmerkungen schon fast vorbei war, wies mich ein Konferenzteilnehmer noch einmal auf den Titel meines Vortrag zurück, der ja die Behauptung aufgestellt hat, dass eFoto “Big Data” an Bürger zurückgebe. Wie genau das denn aber gehen sollte, habe er noch nicht ganz verstanden. Auch hier gab es zuerst eine schlichte Antwort, die besagte, dass wir die Nutzerdaten sicher hosten und nicht aus der Hand geben würden. Für die Bilddaten sei hingegen der erste Schritt der Rückgabe tatsächlich die Zugänglichmachung. Doch richtig interessant wird es erst, wenn Schnittstellen ins Spiel kommen, die tatsächliche Informationsströme an Nutzer auslösen. Dies können simple RSS Feeds sein oder - vor allem für gemeinfreie Bilder - Downloadbereiche in der Desktopapplikation. 

Alle Fragen, denn davon gab es noch viel mehr, werden uns vor allem Anregungen sein und alle Antworten müssen derzeit noch vorläufigen Charakter haben. Denn natürlich müssen auch wir lernen, indem wir Dinge ausprobieren. Dazu müssen wir erst einmal in die Applikationsentwicklung einsteigen. Das kann aber erst in der zweiten Projektphase passieren, der wir derzeit noch freudig entgegen blicken, denn sie soll im Herbst diesen Jahres beginnen. Bis dahin muss ich mich für die Vorläufigkeit der dargelegten Lösungsansätze entschuldigen, indem ich versichere, dass wir alle Fragen mit in die nächste Projektphase nehmen und dann hoffentlich umfassendere Antworten finden werden.

Du hast Fragen oder Anregungen zum eFoto Projekt? Dann kontaktiere uns gerne über mareike.hoeckendorff@uni-hamburg.de oder schicke uns einen Tweet über @efotohamburg.

Dies war Teil 1 einer Artikelserie zur #Digitization Konferenz 2014 in Hamburg. In Teil 2 geht es nächste Woche Freitag um einen Workshop zum Thema “Wie und was erzählen mit Geodaten?”