efoto-hamburgs wissenschaftlicher Rahmen – Teil 3 Social Media Forschung

efoto-hamburgs wissenschaftlicher Rahmen – Teil 3 Social Media Forschung

Soziale Medien sind aus unserem Alltagsleben heute nicht mehr wegzudenken. Vor allem das rasante Wachstum von mobiler Technologie ermöglicht, dass fast jeder von uns heute mit einem kleinen Computer in der Tasche herumläuft, der dafür sorgt, dass wir jederzeit auf all den medialen Kanälen erreichbar sind, die wir uns ausgewählt haben - sei es Facebook, Twitter, Instagram, Tumblr, Wordpress, per Email oder Telefon. Efoto-hamburg ist, was das angeht, kein Pionier mehr. Um so wichtiger ist es, dass die Konzeption auf die Ergebnisse zurückgreift, die die Forschung zu sozialen Netzwerken bereits hervorgebracht hat. Einige davon möchte ich heute kurz vorstellen, da sie uns in unserer Projektarbeit besonders betreffen.

Relationen: Von Real Life zu Virtual Reallity und zurück

Anders als noch vor ein paar Jahren, als die Forschung zum Thema Virtualität noch stark zwischen den Realitätsebenen des sogenannten "Real Life" und der "Virtual Reality" zu trennen versuchte, steht in heutigen Studien eher im Fokus, wie diese scheinbar voneinander unterscheidbaren Welten verknüpft sind. Ein Mittel der Verknüpfung sind z.B. Zeitstempel. Diese funktionieren in sozialen Medien häufig so, dass sie einen Bezug von der Zeit der Veröffentlichung zu der Zeit des Abrufens herstellen. Wurde ein Posting am selben Tag veröffentlicht an dem es abgerufen wird, so sieht der Nutzer häufig einen Vermerk wie "posted 1 hour ago". Erst nach etwa zwei Tagen wird ein solcher Zeitstempel zu einer Datumsangabe in einem herkömmlichen Format wie "posted wednesday, 18th June, 2014".

Eine weitere Schnittstelle zwischen Virtualität und dem Hier und Jetzt bilden Orte. Wo wir uns auch befinden, immer haben wir ein Gerät in unserer Tasche, das uns auf einer Karte zeigen kann, wo wir gerade sind. Oder es zeigt uns, wo wir uns befunden haben, als wir ein Foto aufgenommen haben oder es zeichnet einfach nur heimlich still uns leise auf, wo wir wann sind oder waren. Man könnte jetzt darüber ins Philosophieren geraten, ob Ortsverknüpfungen, auf Neudeutsch Geotaggs, die entscheidenden Metadaten unseres "Real Life" geworden sind, aber ob uns das praktisch weiter führt, sei dahin gestellt. Auf jeden Fall können über Orte Beziehungen hergestellt werden. Von mir zu einem Foto, das ich gerade gemacht habe. Von meinem Foto zu einem anderen Foto, das am selben Ort gemacht wurde und sogar von mir zu einem Foto, das zu einer anderen Zeit am selben Ort gemacht wurde, an dem ich mich gerade befinde.

Aus der Tatsache, dass Geotagging in sozialen Medien immer wichtiger wird, schließen Forscher, dass es auch von entscheidender Bedeutung für unser "Real Life" ist. Eine Tätigkeit, die wir gerade ausführen, wird ergänzt von einer Information, die uns über Virtualität zur Verfügung gestellt wird. Anders herum können wir zu einem späteren Zeitpunkt digital abrufen, wo wir uns tatsächlich befunden haben. Genau genommen können wir schon kaum mehr trennen, was wir über digitale Medien wahrnehmen und was aus der tatsächlichen Erfahrung mitgenommen wurde.        

Content is King

Jeder, der sich ein bisschen in der Blogosphäre herumtreibt oder schon einmal darüber nachgedacht hat, ein Internet-Unternehmen zu gründen, ist sicher schon einmal über diese Parole gestolpert. Aber sehr schnell merkt man auch, dass gute Inhalte erst der Beginn einer langen Reise in die Welt von Webseiten und Social Media Kanälen sind. Denn eigentlich geht es ja nicht darum, mit Inhalten um sich zu werfen, sondern darum, eine Leserschaft zu finden. Wie aber kommt der Leser zum Inhalt? Nun, auch dafür gibt es natürlich bereits Antworten. Entweder er hat ein natürliches Interesse an den Inhalten. Dann beginnt er von sich aus danach zu suchen. Wenn dein Inhalt also in den großen Suchmaschinen gelistet wird, so steigt die Wahrscheinlichkeit, dass deine Leser dich finden. Der zweite Weg führt wieder über soziale Medien und entspricht einer viralen Version dessen, was früher Mund-zu-Mund-Propaganda war. 

Ist der Weg zum Inhalt gefunden, so gilt es, das Interesse des Lesers zu erhalten. Hier kommen dann in der Psychologie erforschte Prozesse zum Tragen, wie z.B. dass etwas sowohl positiver bewertet als auch besser behalten wird, das für den Leser oder Betrachter mehr als einen Anknüpfungspunkt bereit hält. Stolpert ein potentieller Nutzer z.B. über ein Bild aus der efoto Datenbank, so wird es ihm wahrscheinlich besser gefallen, wenn er sich für die Zeit interessiert, in der die Aufnahme entstanden ist, ihm die dargestellte Atmosphäre gefällt und er den abgebildeten Ort aus eigener Erfahrung kennt. Vielleicht hat ihm außerdem auch noch ein Bekannter das Bild weiter empfohlen, sodass er es mit einem Gefühl eines freundschaftlichen Rahmens verbindet. 

Die Bedeutung der Social Media Theorie für efoto

Auf Basis der hier nur kurz beschriebenen Ansätze haben wir für efoto das Ideal entwickelt, möglichst viele inhaltliche Aspekte sinnvoll miteinander zu verknüpfen. Auf zeitlicher Ebene sind das z.B. Geschichte, Zeitgeschichte und Gegenwart. Doch der Nutzer soll auch sich selbst in dieses Gefüge mit einbringen können und so die Relationen erweitern. Durch einen Kommentar, ein eigenes Erlebnis, das er auf der Plattform erzählt oder auch nur durch einen Geotag, den er hinzufügt, entsteht bereits ein Bezug zur eigenen Realität, ganz unabhängig davon, ob diese nun virtuell gennannt werden kann oder in den Alltag hinein reicht.

Es soll aber darüber hinaus auch möglich sein, dass die Inhalte der efoto-hamburg-Plattform durch eigene Inhalte ergänzt oder sogar mit eigenen Inhalten gekoppelt werden. So kann z.B. eine alte Ansicht der Alster mit einer neuen verbunden werden und schon entsteht ein neues Bild, das nicht zuletzt von den Bezügen, die es herstellt, belebt wird. Fast schon selbstverständlich aber nicht weniger wichtig ist, dass die Inhalte mitteilbar sein müssen. Denn wenn man z.B. ein neues Bild in Form einer Gegenüberstellung von alter und neuer Ansicht erstellt, so möchte man es natürlich seinen Freunden zeigen.

In diesem Sinne bauen wir auf dem auf, was die Social Media Forschung uns lehrt. Gleichzeitig möchten wir aber auch ganz praktisch eine möglichst vielfältige Plattform schaffen, die eine angenehme Atmosphäre für eine "Virtual Reality" schafft, die gerne auch ins "Real Life" hineinwirken, darauf zurückgreifen und es bereichern darf.

Du möchtest mehr über das wissenschaftliche Fundament von efoto-hamburg erfahren? Hier findest du einen Artikel zur Anknüpfung an die Kulturtheorie und hier zur narrativen Identitätsbildung.